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Leseprobe "Heilsame Dialoge"

Schockzustand

Hallo, meine lieben Freundinnen,

ich stehe total unter Schock. Komme gerade vom Arzt und habe in der linken
Brust wieder einen bösartigen Tumor. Brustkrebs - Klappe die Dritte. Nun geht das Karussell von vorne los und ich werde ab morgen zu verschiedenen Ärzten tingeln, um zu erfahren, was jetzt überhaupt noch machbar ist.
Zum Glück war ich nicht allein in dieser Situation. Eine sehr vertraute Freundin hat mich begleitet und nach meinem Zusammenbruch das Gespräch mit dem Radiologen mehr oder weniger in die Hand genommen. Wie gut! Momentan fühlt sich mein ganzes Leben wie ein Trümmerhaufen an. Ich hätte nie geglaubt, dass ich einmal so an den Rand der Verzweiflung geraten würde, dass ich mich mit Selbstmordgedanken trage.
Mein Mann weiß noch gar nicht Bescheid, ich muss es ihm gleich sagen…
Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mich unterstützt, damit ich diesen
Wahnsinn auch ein drittes Mal überleben kann.

Liebe Grüße, Eure Schock-Anne

 

Anne, gerade habe ich Deine Nachricht gelesen - natürlich werden wir Dir jede Unterstützung geben. Ich nehm Dich ganz lieb in den Arm - gemeinsam sind wir stark - Du hast eine starke Truppe um Dich.
Deine Brigitte


Hallo, liebe Anne,
was kann Dich denn jetzt trösten?
Du brauchst viele Hände, die Dich sofort behandeln. Ich bin bereit, wann immer es sich ergibt zu kommen. Seit Deiner letzten Erkrankung ist ja schon einige Zeit ins Land gegangen und sicherlich haben sich die Methoden und Therapien auch schon wieder verändert. Vor allem werden die Knoten in den winzigsten Größen schon bemerkt, so dass die Heilungsmöglichkeiten vielversprechender sind.
Wie hat Dein Mann das aufgenommen? Sollten wir ihn auch unterstützen? Damit er kraftvoll an Deiner Seite sein kann. Und deine große Tochter, die gerade durch Asien reist? Wirst Du es sagen, wenn sie sich meldet?
Du kannst sicher sein, dass Du nun in meinen Gedanken bist. Ich drück Dich undhoffe auf Antwort.
Ganz liebe Grüße von Ute


Der Plan - Arzt des Vertrauens

Liebe Freunde,

zu Beginn der Woche habe ich Euch "erschreckt" mit der Nachricht über eine
erneute Krebsdiagnose. Die letzten 5 Tage waren überaus turbulent, meine Seele ist Karussell gefahren. Nun möchte ich Euch aber auch informieren über den heutigen Stand der Dinge:
Die Diagnose wurde durch eine Biopsie bestätigt, will heißen, dass mir einige Gewebeproben aus der Brust entfernt wurden. Ich habe mehrere bösartige Tumore in der linken Brust und ich werde mich deshalb am Montag einer OP unterziehen. Das Gute daran:
Knochen, Lunge und innere Organe sind sozusagen o.B., wie der Schulmediziner so schön sagt. Habt Ihr die Erschütterungen gespürt, als mir die Felsen von der Brust purzelten? Der wirklich angenehme Arzt in Köln hat mir das Spezielle meines Falles bestätigt und meinte, dass ich wohl ein paar Schutzengel haben muss, weil ich nach den beiden ersten Erkrankungen so lange beschwerde- und rezidivfrei überlebt habe.
Nun denn, ich kam also nicht umhin, ihm von meinen Erfahrungen mit allerlei
Heilweisen zu berichten, vor allem natürlich von Jin Shin Jyutsu. Bemerkenswert war seine Reaktion: "Never change a winning team, liebe Frau Maretzke. Machen Sie weiter so!"
Mein Mann war heute beim Gespräch dabei und wir sind beide sehr angetan vom Kölner Arzt, ich werde mich also in seine Hände begeben. Er hat uns sehr ruhig und sachlich erklärt, was jetzt der Weg ist. Bestrahlungen sind nicht mehr möglich, weil beide Brüste schon bestrahlt wurden. Somit kann auch nicht mehr brusterhaltend operiert werden. Es sei denn, ich unterziehe mich danach einer starken Chemotherapie. Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Chemotherapien verzichte ich darauf, was bedeutet, dass ich nun zumindest äußerlich zur "Amazone" werde. Wenn der legendäre Kampfgeist dieser Damen auch mein Innerstes stärkt und mich weiterhin kraftvoll durchs Leben trägt, soll es mir recht sein ?.
Über einen eventuell gewünschten Brustaufbau wird später diskutiert, weil es jetzt vorrangig um die Behandlung der Krebserkrankung geht. Das ist momentan ohnehin nicht mein Thema.
So, Ihr Lieben, zugegeben, ich bin erschöpft vom Wechselbad der Gefühle und so makaber es auch klingt, ich freue mich darauf, am Montag "befreit" zu werden. In der Tat hätte ich nicht geglaubt, noch drei Tage vor Weihnachten wieder unter dem Messer zu liegen und eine Brust zu verlieren… Mit ein bisschen Glück darf ich zu Weihnachten schon nach Hause. So ein bisschen Brust-OP macht ja heute schon der Pförtner .-). Dass das alles trotzdem Scheiße ist - na klar!
Ich habe jetzt eine Bitte an Euch. Könnt Ihr Euch vorstellen, mich am Montag
aus der Ferne zu unterstützen - den OP in Licht zu tauchen und dem Chirurgen ordentlich die Hände zu führen, die Skalpelle zu schärfen und, und, und - ihr wisst schon ?. Ich freue mich auch über gute Gedanken und alles, was sonst noch helfen könnte. Lasst Euch jetzt schon danken für Eure Unterstützung!
Ich bin ein wenig ausgelaugt und nicht so recht telefon-willig, deshalb diese Mail an Euch alle!

Seid ganz lieb und herzlich gegrüßt, Eure Rum-krebs-Anne

 

Liebe Annemaus,
selbstverständlich sind wir mit all unseren guten Gedanken und Gefühlen und gaaanz viel guter Energie bei Dir und das nicht nur am Montag, sondern schon seitdem wir erfahren haben, was Dich zurzeit im wahrsten Sinne herumkrebsen lässt. Diese Operation wird Dich also von allen größeren und kleineren "Krebsgeschwüren" im wahrsten Sinne des Wortes "einschneidend" befreien. Der federführende OP-Schutzengel vom Professor wird ihm bestens die Finger führen und Deiner wird über Dich wachen. Dat wird schon!
Alles Liebe für Dich, fühl Dich ganz feste von uns geknuddelt,
Jürgen und Conny


Zwischentöne

An diesem Abend vor der OP bade ich lange und verabschiede mich von meiner linken Brust. Sie hat viel geleistet, die Kinder gestillt, meine Weiblichkeit und Mütterlichkeit symbolisiert. Sie darf jetzt gehen und alles Belastende mitnehmen!
Mein Mann macht ein paar Abschiedsfotos.
In diesen Tagen ist unsere Familie wieder ein wenig mehr zusammengerückt.
Nicht zuletzt hat uns die älteste und natürlichste aller Heilkünste
zusammengeschmiedet - die Berührung. Das ersetzt so manches Wort, beruhigt und schafft Vertrauen. So wurde mir geholfen und die anderen hatten ebenfalls das Gefühl, nicht allein zu sein mit ihrer Angst und ihrem Kummer. Solche Krisenzeiten knüpfen ein goldenes Band zwischen uns allen.

In der Klinik verläuft alles sehr zügig, so wie es der Arzt versprochen hatte.
Kurz bevor es losgeht, bekomm ich doch noch einmal Panik und versinke in
Tränen. Diese anonyme Atmosphäre in den Operationssälen ist alles andere als beruhigend. Die Ärzte lösen ihre Vermummung, so dass ich wenigstens ein paar Gesichter sehen kann und versprechen, dass sie alles für mich tun werden. Mit dem Satz: "Jetzt können Sie anfangen" entschwinde ich ins Land der Träume.
Ich sitze gerade auf einem Kamel und reite durch die Wüste, als ich aus der
Narkose erwache. Die Operation verlief komplikationslos, ich habe keine
Schmerzen, spüre keine Übelkeit, mir ist wohlig warm - alles ist gut.
Riki und Steffen empfangen mich direkt vorm OP-Bereich. Sie sehen erleichtert aus, weil der Professor ihnen schon die gute Nachricht von der gelungenen OP überbracht hat.
Die beiden behandeln mich sofort mit Jin Shin Jyutsu und so fühle ich mich kurz nach dem Eingriff schon behütet und getragen. Es ist ganz unwirklich - ich habe keine Schmerzen und im Laufe des Tages spaziere ich schon wieder durch das Zimmer, gehe zur Toilette - als ob nichts gewesen wäre.
Am Abend schaut der Arzt noch einmal vorbei und signalisiert, dass er sehr
glücklich sei, weil er mich von dem Tumor befreien durfte. Er macht mir
Hoffnungen, ohne weitere Behandlungen davonzukommen.
Um den Brustbereich trage ich einen dicken Wickel. Das fühlt sich sehr
angenehm an und gibt Halt. Am nächsten Morgen sieht der nette Doktor noch einmal nach mir und kündigt eine Dame vom Sanitätshaus an, die mir einen sogenannten "Erstversorgungs-BH" anpassen wird, damit ich zu Weihnachten auch gesellschaftsfähig bin.
Die Narbenschau ist also nicht lange aufzuschieben. Die Wunde erschreckt mich und fast empfinde ich die Anpassung dieses BHs als Übergriff, so burschikos wie die BH-Frau die Sache angeht. Ich bin ganz apathisch und funktioniere einfach nur, während sie ein Wattekissen nach dem anderen in die leere, linke Tasche des BHs stopft. All das geschieht im Zeitraffertempo, ich komme kaum mit.
Ich fühle mich überfordert und empfinde auch nicht wirklich Erleichterung über die gelungene Operation. Ich erhole mich zumindest körperlich recht schnell.

Am dritten Tag meldet sich meine Seele. Ich bin voller Traurigkeit und fühle mich ganz schwer. Die Schwestern schicken mir die Seelsorgerin aus dem
Krankenhaus, sie bietet ihre Unterstützung an. Das ist sehr wohltuend, ich lasse los und entspanne und endlich fließen auch ein paar Tränen.
Ich trauere nicht nur um einen Körperteil, um meine beschnittene Weiblichkeit. Ich trauere um meine Gesundheit, um mein Urvertrauen. Das braucht Raum und es braucht Zeit.
Mit der Seelsorgerin bespreche ich auch den Traum, mit dem ich aus der Narkose erwacht bin. Sie fragt mich, welche Symbolik für mich die Wüste hat, und spontan kommen mir Gedanken wie: raus aus dem Trott, absolute Ruhe, Besinnung, frei von Ablenkung und Reizen mit mir alleine sein, mich meinem Innersten nähern. Sie gibt mir noch einen Gedanken mit auf den Weg, der mich nachhaltig beschäftigt: meine Quellen wiederentdecken und neue Lebenskraftschöpfen. Das gefällt mir sehr.
Ich berichte ihr schließlich von meiner Erfahrung des totalen Loslassens, des
Vertrauens und des Abgebens nach der Diagnose. Sie lächelt und fragt mich, ob ich nicht ein wenig davon in meinen Alltag übernehmen möchte, um nicht nur in der größten Not vertrauen zu können? Kluge Frau.
Noch einmal macht mir der fürsorgliche Arzt Hoffnungen, ohne Chemo
"davonzukommen".
Am Heiligabend werde ich aus dem Krankenhaus entlassen.
Irgendwie neu, irgendwie anders. Und womöglich sind jetzt die größten Steine schon aus dem Weg geräumt…

 

Heureka

Meine lieben Freundinnen/Freunde,

in den letzten fast 4 Wochen hab ich verschiedene Phasen durchlaufen, die mir von früheren Erfahrungen wohl vertraut sind: zuerst der Schock und die
Ohnmacht, dann der Plan und die Orientierung, dann das Machen und Tun (sprich OP…), dann die Zur-Kenntnisnahme der Ergebnisse, dann das große UFF und dann irgendwann kommt ein LOCH. In dieser LOCH-Phase habe ich mich in den letzten Tagen gefühlt. Wie geht's jetzt weiter, was tue ich als nächstes, wie sichere ich meine Situation ab, Ratlosigkeit, auch ein paar kleine Ängste, die um die Ecke schauen… Wie gesagt, ich kenne das schon.
Nun habe ich gestern diesen beschwerlichen Tag gehabt, an dem ich unserer
"Großen" nach ihrer Rückkehr aus Asien die Geschehnisse der letzten Wochen berichten musste, verbunden mit einem schmerzhaften Rückblick, mit Tränen, mit Traurigkeit.
Und heute gelange ich zu Erkenntnissen, die mich erstmal durchatmen und jubeln lassen. Natürlich möchte ich Euch das nicht vorenthalten, weil es irgendwie etwas mit uns Frauen im Allgemeinen zu tun hat. NÄMLICH:
Ich kann ohne zu zögern und schlechtes Gewissen ANNEHMEN und, was
geradezu bahnbrechend ist:
Krebs macht schön !!!
Ich fühle mich gerade total aufgekratzt und muss darüber plaudern mit Euch!
Ja, in einem sehr intensiven Gespräch mit meiner Gynäkologin habe ich eben eine der größten Errungenschaften der letzten 4 Wochen herauskristallisieren können: Ich nehme an, ohne Zaudern, ohne Wenn und Aber, ohne Gedanken daran, jemandem zur Last zu fallen…. Und nun hege ich ein wenig den Verdacht, dass es etwas mit der verlorenen Brust zu tun hat. Dieser belastete Körperteil symbolisiert für mich das GEBEN. Und ich hab mich manchmal am Rande der Selbstaufgabe bewegt mit meinem Geber-Naturell.
Ich entscheide mich jetzt also im Leben mehr fürs An-Nehmen. Und es gelingt in einem maladen Zustand vielleicht eher als aus voller Lebenspower heraus. Nutze ich also die Chance des Augenblicks.
Euer permanentes Umsorgen tut sehr gut und ist so nötig, dass ich mich so
selbstverständlich wohl damit fühle, wie ich das sonst nie konnte. Komisch, wie solch eine profane Erkenntnis so ein "Unter-dem-Weihnachtsbaum-Gefühl" auslösen kann. Ich bin sicher, ich bin es wert, ganz davon abgesehen, dass ich es brauche. Und wenn ich es angeboten bekomme, darf ich es nehmen. Ohne Hintergedanken, einfach nur Wohltat und Freude. Ganz leicht. Ich weiß, das klingt alles ganz schön einfältig, weil es eigentlich ganz normal sein sollte. Und vielleicht kann die/der Eine oder Andere gar nichts damit anfangen. Aber ich erkenne plötzlich ganz klar, dass ich bei den früheren Erkrankungen viel mehr das Ziel hatte und der Überzeugung war, dass ich das alles wohl alleine schaffe(n muss). Was für ein Kraftakt!
Den Krebs bekämpfen und besiegen, das war das Ziel. Ist das überhaupt möglich, meinen Körper besiegen? Gegen meinen Körper kämpfen und mir den Körper damit zum Feind machen?
Wie auch immer, meinen Körper zum Freund zu haben, für den ich alles tue, fühlt sich heute besser an. Mittlerweile ziehe ich das leichte Gefühl des Getragenseins und "Dürfens" und "Zustehens" und selbstverständlich Annehmen-Könnens vor. Zugegeben, der Weg zur Erkenntnis ist nicht nachahmenswert, aber die Erkenntnis selbst, ich sag nur HEUREKA!
Nun denn, dann will ich meine zweite, weitaus bahnbrechendere Erkenntnis auch noch unter die Menschheit bringen:
Ich habe mir heute auf Empfehlung meiner Kosmetiker-Tochter eine getönte
Hautcreme aufgetragen, weil ich immer noch ziemlich blass aussehe. Ein wenig Lippenstift dazu, netter Augenaufschlag und ich bin raus zum Einkaufen. Treffe prompt eine Bekannte, die mir zujubelt: "Mann, siehst Du guuuut aus! Ne, ehrlich,
Du siehst irgendwie besser aus als vor der Krankheit - kann das sein?"
Tja, entweder sah ich bisher viel bescheidener aus, als ich mir jemals
eingestehen möchte, ODER: Krebs macht schön!
Ich entscheide mich für Letzteres und wünsche euch in diesem Sinne ein
erkenntnisreiches, wonniges Wochenende!

Euer Krebs-Schönchen Anne


Busenwunder

Hallo Mädels,

schon wieder die Amazone hier im Netz! Ich hab gestern mal wieder versucht, mich in meinen Erstversorgungs-BH mit Watte-Prothese zu schnüren (allein der Name lässt Schlimmstes vermuten ;-)) und irgendwie ist dieses Ding Schei…. und das Watteteil rutscht immer rum und hängt viel zu weit oben - naja, blöd eben und irgendwie auch lustig. Da lob ich mir ja meinen Mann in solchen Situationen, wir hatten hier echt Spaß!
Na, jedenfalls erzähle ich heute einer Freundin davon und die hat prompt ein
herrliches Gedicht dazu auf Lager:

Ach, lass mich doch an Deinem Busen schmusen,
sagte er zu ihr.
Da sagte sie unter Tränen:
Ich hab gar keenen,
und den ich gestern hatte
der war aus Watte ;-)
und jeden Tag ein neuer
das kommt zu teuer!

Mögliche Ähnlichkeiten mit lebenden Person und tatsächlichen Geschehnissen sind überhaupt nicht zufällig und besonders gewollt!!
Einen schönen Start in die Woche wünsch ich Euch und bis ganz bald auf der
Amazonen-Welle

Eure Anne, die Erstversorgte!

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